Georg Pöltl
Georg Pöltl (* 1.12.1928 München, † 4.4.1945 im KZ Dachau)
Leben
Georg Pöltl wurde am 1.12.1928 in München Bogenhausen geboren, seine Mutter war Maria Pöltl, geb. Erlacher, der Vater Georg Pöltl (*1903 München, gefallen 15.2.1943 in den Kämpfen am Donez als Wachtmeister der Schp. der Res.) war von Beruf Friseurmeister, hatte einen Friseurladen in Trudering. Ab seinem 10. Lebensjahr und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1.9.1939 wuchs der junge Georg allein auf sich gestellt auf, sein Vater wurde seit Kriegsbeginn eingezogen, seine Mutter wurde verpflichtet, tagsüber Schreibarbeiten bei der Polizei auszuführen. Georg gen. Schorschi sympatisierte mit den Juden und zeigte seiner Cousine Bobby geb. Conrad (*1931 München), dass er unter seinem Hemd einen gelben Judenstern trug, den er sich auf sein Unterhemd genäht hat. Auf diese weise versuchte er seine Verbundenheit mit den Juden.
Als Georg Pöltl am 13. 2. 1945 einem jüdischen Mädchen Essbares reichte, wurde er beobachtet und ins KZ Dachau eingeliefert. Seine Häftlingsnummer war 140997. Auszug aus einer Nachkriegsabschrift der Originalhäftlingskartei aus dem Konzentrationslager Dachau zeigt, dass Georg Pöltl in Schutzhaft und unter NAL eingestuft wurde. Fetter TextNAL bedeutet, nicht aus dem Lager. Häftlinge, die für eine Vernehmung zweiten oder driten Grades durch die politische Abteilung oder zur Exekution bestimt waren. Sein letzter Wohnsitz war München, Schreinerstr. 33.
Wohl durch katastrophale hygienischen Bedingungen im KZ Dachau, die dort 1945 herrschten, bekam er die Ruhr. Nach Auskunft von dem Mithäftling Rudolf Bierle und Kugler (†1946 München) wurde Georg Pöltl wohl noch lebend ins Krematorium gebracht. Gestorben ist er am 4.4.1945.
Kurz nach seinem Tod fuhren seine Mutter Maria Pöltl und deren Schwester Karoline Wittmann, geb. Erlacher (*1913 München †1978) nach Dachau zum KZ und wollten dort für Georg Pöltl ein Esspacket abgeben. Darauf hin wurde den Beiden von der Lagerverwaltung mitgeteilt, sie können das Packet wieder mitnehmen und eine Handvoll Asche dazu. An diesem Schicksal ihres einzigen Kindes ist seine Mutter Maria Pöltl letztendlich zerbrochen. Karoline Wittmann hatte um 1940 anhand von ihren Zeichnungen um 1930 ihre Schwester mit ihrem Kind Georg auf der Akademie für bildende Künste in München in Öl gemalt. Dieses Bild befindet sich heute im Besitz der Bürgerstiftung für verfemte Kunst in Solingen und wurde 2013 in der Ausstellung im Deutschen Bundestag "Kunst in der Katastrophe" Katalog Seite 30 und Abb. Seite 31 sowie im Ephrahimpalais Berlin ausgestellt. Georg Pöltl hat kein Grab, nur dieses Ölbild zeigt von seiner Existenz und einige Formulare und Foto, die sich in der Nachlassverwaltung von Karoline Wittmann pm.wittmann@web.de befinden. siehe auch www.karoline-wittmann.de