Covid-19 Pandemie (Ausland)

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220px-Disambig-dark.svg.png Dieser Artikel stellt einen politischen Appell dar. Bitte beachten Sie, dass das München Wiki keine Wahlwerbung oder sonstige Verwendungszwecke zulässt. Der Artikel ist eine Freie Meinungsäußerung.


Der Kampf gegen die Corona-Krise über unsere Grenze hinaus

Evakuiert die griechischen Inseln in der Ägäis - schnell, jetzt!

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus die Flüchtlingslager in der Ägäis direkt vor der türkischen Küste erreicht.


Jetzt ist es noch machbar.


Es fehlt dort an Wasser, Ärzten, Versorgung. Auf den griechischen Inseln harren derzeit mehr als 40.000 Flüchtlinge und Migranten in den überfüllten Aufnahmeeinrichtungen dicht gedrängt aus. Ja sie sind durch ihre Flucht dorthin daran beteiligt. Wir sind vielleicht in wenigen Tagen an ihrem Sterben beteiligt.


In Deutschland fordern einige Städte die Aufnahme der Kinder von dort - jetzt. Inzwischen (Stand 7. Apr. 20) befassen sich EU-Gremien und auch eine ganze Reihe Unionspolitiker damit. Sie wollen (wenigstens) Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern holen. Deutschland und weitere EU-Staaten haben zugesagt, minderjährige Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Doch auf EU-Ebene verzögert sich das Vorhaben. Nach Angaben in der Bundespressekonferenz vom 7.4. befasst sich auch Innenminister Horst Seehofer intensiv mit dem Thema.

1. — von den Inseln auf das Festland bringen

Es gibt einen Weg. Vor Kurzem veröffentlichte die Europäische Stabilitätsinitiative einen konkreten Plan dazu. 35.000 Migranten müssten jetzt von den Inseln auf das Festland gebracht werden. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) baut dort derzeit drei Lager für einige Tausend Migranten. Fünf weitere provisorische Lager könnten weitere 10.000 Migranten beherbergen. Laut IOM wären diese innerhalb von weniger als zwei Wochen fertigstellbar.

Weitere 10.000 Menschen könnten in leeren Hotels auf dem Festland untergebracht werden. Auch das ist angesichts des Zusammenbruchs des Tourismus eine praktikable Übergangslösung. Europäische Gelder dafür gibt es. Bereits jetzt sind etwa 7.000 Menschen in Griechenland in Hotels untergebracht.



2. — anerkannte Flüchtlinge aufnehmen

Zweitens sollten einige EU-Staaten sofort anbieten, 10.000 bereits anerkannte Flüchtlinge vom griechischen Festland aufzunehmen. 4.000 anerkannte Flüchtlinge leben derzeit in Lagern auf dem Festland, weitere 6.000 in UNHCR-Mietwohnungen.


Diese Plätze könnten so innerhalb weniger Tage frei werden und Platz schaffen für Familien von den Inseln.

Es handelt sich hier um Personen, deren Schutzbedürftigkeit bereits anerkannt ist. Ihre Identität ist bekannt. IOM könnte helfen, Deutschland vorangehen. Wenn die drei großen deutschen Bundesländer Bereitschaft zeigen würden, jeweils 1.000 anerkannte Flüchtlinge in vorhandenen Einrichtungen unterzubringen, wäre es möglich 5.000 nach Deutschland zu holen.

Logistisch ist das möglich: In den vergangenen Tagen hat die deutsche Regierung 140.000 Deutsche aus der ganzen Welt zurückgebracht.


3. — Einigung mit der Türkei ist möglich

Eine neue Einigung mit der Türkei dringend erforderlich. Die EU hat versäumt, der Türkei rechtzeitig weitere finanzielle Hilfen zuzusichern, über die sechs Milliarden Euro für syrische Flüchtlinge hinaus, die bis Ende 2019 verplant wurden. Sie sollte das jetzt tun und der Türkei für die nächsten Jahre ein neues Sechs-Milliarden-Euro-Paket anbieten.

Die EU und Griechenland können irreguläre Migration über die Ägäis nur in Kooperation mit der Türkei reduzieren.


Die EU sollte, sobald die aktuelle Corona-Krise vorüber ist, ihrer Verpflichtung aus der EU-Türkei-Erklärung von 2016 nachkommen, eine größere Anzahl von Flüchtlingen jährlich aus der Türkei in einem geordneten Verfahren aufzunehmen. Das würde auch unserem Arbeitskräftemarkt nutzen.

Quelle

Bei Spiegel.de der Aufruf von John Dalhuisen und Gerald Knaus. Am Don. 26. 03. 2020.

John Dalhuisen war Europadirektor von Amnesty International. Heute ist er Senior Fellow an der Denkfabrik "Europäische Stabilitätsinitiative".

Gerald Knaus, geboren 1970 in Bramberg, Österreich, ist der Vorsitzende der Europäischen Stabilitätsinitiative. Er gilt als der Experte für den früheren Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei

Die Dringlichkeit und die Entscheidung von uns

1943 haben Dänen und Schweden 7.000 dänische Juden in Booten über die Ostsee in Sicherheit vor den Deportationen gebracht. Sie haben angesichts einer bevorstehenden Katastrophe gerade noch rechtzeitig gehandelt. Diesmal ist der Feind keine Besatzungsarmee, sondern ein unsichtbares Virus, Covid-19. Doch wie Europäer, Griechen und Deutsche in den nächsten Tagen im Angesicht der Gefahr in der Ägäis reagieren, wird zukünftigen Generationen viel übe uns Heutige erzählen.

Papst Franziskus vergleicht Flüchtlingslager der EU in Griechenland mit Konzentrationslagern - Tausende Flüchtlinge harren seit Monaten in überfüllten Flüchtlingsunterkünften in Griechenland aus. Papst Franziskus kritisierte diese Situation bei einer Rede scharf. Das Schicksal einer Frau machte ihn besonders betroffen. Der Papst stellte den Vergleich zur Nazi-Zeit an, als er von einem Flüchtling berichtete, den er 2016 auf Lesbos getroffen hatte. Spiegel, 22.04.2017 Mit Blick auf die sogenannten Hotspots, etwa auf der Insel Lesbos, sagte er in Rom: "Viele Flüchtlingslager sind Konzentrationslager - wegen der Menge an Menschen darin." Seine Worte fielen bei einer Zeremonie zum Gedenken an moderne christliche Märtyrer.

Der Papst stellte den Vergleich zur Nazi-Zeit an, als er von einem Flüchtling berichtete, den er 2016 auf Lesbos getroffen hatte. Dessen Ehefrau war vor den Augen ihres Manns getötet worden, weil sie sich weigerte, das Kreuz abzulegen, das sie um den Hals trug. "Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, ob er es aus seinem Konzentrationslager herausgeschafft hat", sagte der Papst über den Mann der Frau.


Zeitungsartikel dazu

Literatur