Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg

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Die Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg am Lech bei München bewahrt die wenigen Überreste des räumlich größten, nur für wenige Monate bestehenden Konzentrationslagerkomplexes (Juni 1944 — März 1945) auf dem Boden des damaligen Deutschen Reichs auf: das Konzentrationslager Kommando Kaufering, kurz KZ Kaufering, setzte sich über wenige Kilometer verteilt aus elf Teillagern des KZ Dachau zusammen; davon gibt es heute noch vor allem fünf Ruinen von KZ-Erdbunkern und die letzten Spuren von KZ-Erdhütten. Jedes dieser elf von der Gefangenenzahl her "kleinen" Konzentrationslager diente der Vernichtung durch Arbeit der Häftlinge und dem Aufbau einer großen Rüstungsfabrik für Flugzeuge (vgl. JägerstabW).

Diese elf Konzentrationslager in der Region nördlich von Landsberg gehörten verwaltungstechnisch zu den Nebenlagern des Konzentrationslagers Dachau. Der Lagerkommandant für den Konzentrationslagerkomplex von Landsberg/Kaufering mit 11 Konzentrationslagern wurde allerdings direkt von der Berliner Zentrale der Konzentrationslager (SS-WVHA und vorher IKL) eingesetzt. Das spricht für eine besonders eigenständige Rolle des ganzen Lagers.

Erdbaracken im KZ Kaufering IV (Hurlach)
Aufnahme vom 28. April 1945 (US-Army) Bild-Information bei Wikipedia

Vor allem als Juden verfolgte Menschen aus ganz Europa wurden zwischen dem 18. Juni 1944 und dem 9. März 1945 in die elf Teile des KZ-Kommandos Kaufering deportiert. Ziel war ihr Einsatz in der Zwangsarbeit bei dem "Rüstungsprojekt Ringeltaube". In drei von den KZ-Häftlingen in Sklavenarbeit neu errichteten, gigantischen unterirdischen Bunkern wurde die Flugzeugproduktion des Düsenstrahljägers Messerschmitt Me 262 im Frauenwald in Landsberg aufgenommen.

In nur zehn Monaten wurden nach offiziellen Schätzungen mindestens 14.500, nach einem anderen Bericht bis zu 44.457 Menschen ermordet. Darunter befanden sich wahrscheinlich auch eine größere Zahl ehemalige Münchner.

Die heutige Anlage

Die „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert“ konnte einen Teil des ehemaligen KZ-Geländes des KZ-Kommandos Kaufering VII erwerben und in einen würdigen Zustand versetzen. Der andere, verwilderte und verwahrloste Teil des Geländes befindet sich weiter im Besitz der Stadt Landsberg. Er wurde in den Jahrzehnten nach dem Krieg eingeebnet und verfüllt.

Im Jahre 2009 wurde die Gedenkstätte an die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung e.V. übertragen, die sich seit dieser Zeit um die fachgerechte Konservierung der Bau- und Bodendenkmäler des ehemaligen KZ-Lagers Kaufering VII bemüht.

Auf der Grundlage einer im Jahr 2010 erstellten Machbarkeitsstudie begann die Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erst im Jahre 2014 die auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Lagers Kaufering VII vorhandenen Baudenkmäler, insbesondere die drei noch vollständig erhaltenen Tonröhrenbaracken, zu konservieren. Die Baudenkmäler auf dem ehemaligen KZ-Lager Kaufering VII werden inzwischen als Bauwerke von nationaler Bedeutung bewertet. Sie „prägen das (in diesem Fall sehr traurige) kulturelle Erbe der Bundesrepublik Deutschland mit“.

Die Konservierung der drei intakten Baracken aus Tonröhren wird mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages – Sonderprogramm IV, des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD), der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Lotterie GlücksSpirale, der Bayerischen Landesstiftung, des Bezirks Oberbayern und mit Eigenmitteln der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung e.V. gefördert.

Während der Konservierungsarbeiten im Lager VII des ehemaligen Außenlagerkomplexes Landsberg-Kaufering wurden im März 2015 auch Unterschriften von ehemaligen jüdischen Häftlingen entdeckt, die wahrscheinlich als Nachricht an oder in die Zukunft gedacht waren.

Zum Abschluss der Konservierungsarbeiten auf dem ehemaligen KZ-Lager Kaufering VII würdigte die Bayerische Ingenieurskammer-Bau gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege das Engagement der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2016 in Gold.

Begründung der Jury: "Die Preiswürdigkeit bei diesem Denkmal liegt besonders auf den Bemühungen, einem bedeutenden Dokument eines KZ-Außenlagers möglichst unverändert eine Zukunft zu geben. Die gefundene Lösung, die z.T. schadhaften Tohnröhren nur von außen zu sichern, ist dabei hervorzuheben. Die mutige Vorgehensweise bei der nur konservierenden Behandlung der Tonröhren und die Abstimmung aller Maßnahmen zwischen den Planern und dem Restaurator stellen eine herausragende Leistung dar."[1][2]

Kommt ein Dokumentations- und Besucherzentrum ?

Als notwendige Ergänzung zur Europäischen Holocaustgedenkstätte mit den historischen Baudenkmälern des ehemaligen KZ-Lagers Kaufering VII, wurde im Jahr 2012 erstmals die Errichtung eines Dokumentationszentrums [3] als ein „Ort der Information, des Erinnerns und der Begegnung“ vor dem ehemaligen KZ-Lager Kaufering VII thematisiert. [4]

Diese Initiative der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung veranlaßte die Stiftung Bayerische Gedenkstätten schließlich im Jahr 2015 eine Machbarkeitsstudie [5] für einen Dokumentationsort [6] zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Kaufering in Auftrag zu geben welche im Herbst 2016 vorgelegt wurde.

Die Außenlager des KZ Dachau unter dem Namen Kommando Kaufering

Kaufering war der namensgebende Bahnhof an der Bahnstrecke Bobingen — Landsberg am Lech (auch Lechfeldbahn) von München her.

Herkunft besonderer Gefangenengruppen

Konzentrationslager Kauen / in Kaunas

Nachdem das Konzentrationslager 1944 in Reichweite der sowjetischen Truppen geraten war, wurde das deutsche Konzentrationslager in Kaunas und seine Außenlager von der SS "aufgelöst". Das heißt, dass viele Häftlingen direkt ermordet wurden. Aus dem KZ-Stammlager wurde am 14. Juli 1944 die noch lebenden Gefangenen über das weiter westlich liegende KZ Stutthof in das Konzentrationslager Dachau, bzw. sein Außenlager, das Konzentrationslager Landsberg, in Viehwaggons transportiert. Bei der Lagerräumung brannte und sprengte die SS die Gebäude nieder, um Gefangene aus Verstecken zu treiben und sie zu töten. Aus diesem Grund sind heute vor Ort keine Gebäudereste erhalten.

Siehe auch

Literatur

  • N.N.: Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“. Das KZ-Kommando Kaufering/Landsberg 1944/1945. Themenhefte Landsberger Zeitgeschichte Nr. 4. 56 S. ISBN 3-9803775-3-9 (Broschüre o. D.)
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Todesmarsch und Befreiung – Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern ISBN 3-9803775-1-2
  • Alois Epple.: KZ Türkheim. Das Dachauer Außenlager Kaufering VI. Lorbeer Verlag. Bielefeld 2009 ISBN 978-3-938969-07-6
  • Edith Raim: Die Dachauer KZ-Außenkommandos Kaufering und Mühldorf – Rüstungsbauten und Zwangsarbeit im letzten Kriegsjahr 1944-45. Dissertation, Landsberg, 1992.

Berichte und Aufsätze zu den geschichtlichen Hintergründen

  • Berichte von Zeitzeugen aus dem KZ-Kommando Kaufering
  • Ladislaus Ervin-Deutsch: Sklavenarbeit in Kaufering. In: Dachauer Hefte 2 (1986), S. 109–111
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Von Hitlers Festungshaft zum Kriegsverbrecher-Gefängnis N° 1: Die Landsberger Haftanstalt im Spiegel der Geschichte ISBN 3-9803775-0-4
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Todesmarsch und Befreiung – Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern ISBN 3-9803775-1-2
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Der nationalsozialistische Wallfahrtsort" Landsberg: 1933–1937: Die „Hitlerstadt“ wird zur „Stadt der Jugend“ ISBN 3-9803775-2-0
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert:Das KZ-Kommando Kaufering 1944/45: Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“ ISBN 3-9803775-3-9
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Das SS-Arbeitslager Landsberg 1944/45: Französische Widerstandskämpfer im deutschen KZ ISBN 3-9803775-4-7
  • Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Landsberg 1945–1950: Der jüdische Neubeginn nach der Shoa – Vom DP-Lager Landsberg ging die Zukunft aus ISBN 3-9803775-5-5
  • Barbara Fenner: Es konnte überall geschehen. Landsbergs schwierige Zeitgeschichte. Barbara Fenner Verlag, Landsberg 1995, ISBN 3-9804362-0-9.
  • Barbara Fenner: Wir machen ein KZ sichtbar. Katalog zur Schülerausstellung über das Lager XI des größten Außenkommandos des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau im Bunker der Welfenkaserne Landsberg, Barbara Fenner Verlag, Hofstetten 2000, ISBN 3-9804362-1-7.
  • Barbara Fenner: Aus der Geschichte lernen: Emotionen, Geschichtsbewusstsein und die themenzentrierte Interaktion (TZI) am Beispiel des KZ-Außenlagers Kaufering/Landsberg. Wißner, Augsburg 2014, ISBN 978-3-95786-006-4 (Dissertation Universität Augsburg 2012, 298 Seiten).
  • Annette Brinkmann u.a., (Hrsg.): Lernen aus der Geschichte. Projekte zu Nationalsozialismus und Holocaust in Schule und Jugendarbeit, ARCult Media, Bonn 2000, ISBN 3-930395-23-1 (Multimediapaket: CD-Rom mit Begleitbuch; auch für Unterrichtsvorbereitung. Die CD-ROM ist vergriffen. Die meisten Informationen finden sich auf dieser Website).

Manfred Deiler:

Anton Posset:

Michael Strasas:

Franz Xaver Rößle:

Hermann Kriegl

Lage, Weblinks

>> Geographische Lage von Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg im Kartenverzeichnis (auf tools.wmflabs.org)


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In der Version vom 5. Dez. 2011

Anmerkungen, Zitate

  1. http://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Die-mutige-Vorgehensweise-wird-belohnt-id39096412.html Die mutige Vorgehensweise wird belohnt: Auszeichnung Bestandssicherung der Europäischen Holocaustgedenkstätte erhält Bayerischen Denkmalpflegepreis. In: Augsburger Allgemeine vom 17. September 2016.
  2. Rubrik „Aktuelles“ auf der Website der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung.
  3. http://www.landsberger-zeitgeschichte.de/Doku2.htm Exposé zu einem Dokumentations- und Besucherzentrum für den KZ-Lagerkomplex Kaufering / Landsberg - Darstellung der verschiedenen Module – Manfred Deiler: 2012
  4. http://www.landsberger-zeitgeschichte.de/PDF/2013-06.13%20LT%20Machbarkeitsstudie%20DokuZ.pdf Ein Ort des Lernens und Gedenkens. Landsberger Tagblatt vom 13. Juni 2013
  5. http://www.landsberger-zeitgeschichte.de/PDF/2016-00-00%20Machbarkeitsstudie.pdf Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Kaufering
  6. http://www.landsberger-zeitgeschichte.de/Planungen.htm Neuste Entwicklungen und Planung zum Dokumentationsort KZ-Außenlagerkomplex Kaufering