Nederling: Unterschied zwischen den Versionen
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Als die Schweden und Franzosen im [[wikipedia:de:Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] unter Wrangel und Turenne [[1648]] auf ihrem Weg nach Osten zehnmal den Inn zu überqueren versuchten und zehnmal daran gehindert wurden, zogen sie sich über [[Moosburg]], [[Freising]] und [[Dachau]] zurück, unterbrachen aber ihren Rückzug zugunsten einer Jagd, die die Herren Generäle in dem wildreichen Gebiet nördlich von [[Nymphenburg]] durchführen ließen. Der kaiserliche Reiteroberst Johann von Werth machte sich mit einigen tausend Mann auf den Weg und stieß am Morgen des 15. Oktober [[1648]] im nebelverhangenen Kapuzinerhölzl auf die ersten Feinde, die im Jagdeifer zunächst gar nicht merkten, was geschah. (Manche glauben allerdings, es wäre gar nicht im Kapuzinerhölzl gewesen, sondern in einem Wald beim Dorf Neuhausen, den es heute nicht mehr gibt, aber das ist eine ganz unsichere Meinung.) | Als die Schweden und Franzosen im [[wikipedia:de:Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] unter Wrangel und Turenne [[1648]] auf ihrem Weg nach Osten zehnmal den Inn zu überqueren versuchten und zehnmal daran gehindert wurden, zogen sie sich über [[Moosburg]], [[Freising]] und [[Dachau]] zurück, unterbrachen aber ihren Rückzug zugunsten einer Jagd, die die Herren Generäle in dem wildreichen Gebiet nördlich von [[Nymphenburg]] durchführen ließen. Der kaiserliche Reiteroberst Johann von Werth machte sich mit einigen tausend Mann auf den Weg und stieß am Morgen des 15. Oktober [[1648]] im nebelverhangenen Kapuzinerhölzl auf die ersten Feinde, die im Jagdeifer zunächst gar nicht merkten, was geschah. (Manche glauben allerdings, es wäre gar nicht im Kapuzinerhölzl gewesen, sondern in einem Wald beim Dorf Neuhausen, den es heute nicht mehr gibt, aber das ist eine ganz unsichere Meinung.) | ||
Es entwickelte sich hieraus jedenfalls die letzte Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, wobei man nicht mehr genau weiß, wie weit sich der Kampf hinzog und wo sein Schwerpunkt war. Es fielen ca. 400 bis 500 Schweden und Franzosen oder ertranken im [[Dachauer Moos]], das damals viel weiter nach Süden reichte als heute. 700 einfache Soldaten und 120 Offiziere wurden gefangengenommen und anderntags im Triumph in München vorgeführt. 1000 Pferde kamen um. General von Wrangel verlor seinen goldenen Degen. Außerdem ging ein kostbares | Es entwickelte sich hieraus jedenfalls die letzte Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, wobei man nicht mehr genau weiß, wie weit sich der Kampf hinzog und wo sein Schwerpunkt war. Es fielen ca. 400 bis 500 Schweden und Franzosen oder ertranken im [[Dachauer Moos]], das damals viel weiter nach Süden reichte als heute. 700 einfache Soldaten und 120 Offiziere wurden gefangengenommen und anderntags im Triumph in München vorgeführt. 1000 Pferde kamen um. General von Wrangel verlor seinen goldenen Degen. Außerdem ging ein kostbares Essgeschirr verloren. Wrangel und Turenne aber entkamen und äscherten in ihrer Wut beim weiteren Rückzug noch 20 schwäbische Dörfer ein. | ||
==18. und 19. Jahrhundert== | ==18. und 19. Jahrhundert== | ||
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Die Nederlinger Äcker und Wiesen wurden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Stück für Stück bebaut. Den Anfang machte der Westfriedhof, für den die Stadt München 1893 außerhalb ihrer damaligen Grenzen 12 Hektar kaufte und der im Lauf der Zeit immer wieder erweitert wurde. Die letzten größeren Flächen der Nederlinger Fluren wurden ab 1983 mit der sog. "Metten-Siedlung" bebaut. | Die Nederlinger Äcker und Wiesen wurden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Stück für Stück bebaut. Den Anfang machte der Westfriedhof, für den die Stadt München 1893 außerhalb ihrer damaligen Grenzen 12 Hektar kaufte und der im Lauf der Zeit immer wieder erweitert wurde. Die letzten größeren Flächen der Nederlinger Fluren wurden ab 1983 mit der sog. "Metten-Siedlung" bebaut. | ||
Eine Karte von 1812 zeigt, | Eine Karte von 1812 zeigt, dass Nederling ein Kreuzungspunkt von lokaler und regionaler Bedeutung war. Es führte dort die Straße von München über Neuhausen und Gern nach [[Obermenzing]] (jetzige [[Nederlingerstraße]]), eine andere von der Ludwig-Ferdinand Brücke am großen [[Nymphenburger Kanal]] an der Nederlinger Linde (Röth-Linde) vorbei nach Moosach. Sie ist z.T. noch als ein Weg innerhalb der Heimgartenanlage beim Nederlinger-Gut erhalten. Eine weitere Straße ging von Nederling über das Gelände der jetzigen Metten-Siedlung und ihrer Grünanlage in Richtung Kapuziner-Hölzl (zur jetzigen Straße „In den Kirschen“). Sie hieß zuletzt "Röhrmooser Straße" führte in sanften Kurven zwischen Getreidefeldern dahin und war eine Freude für Fußgänger und Radfahrer, die nach [[Obermenzing]] oder [[Pasing]] wollten. Als man für die Olympischen Spiele 1972 vorübergehend einen Parkplatz auf dem jetzigen Gelände der Metten-Siedlung einrichtete, glaubte man sie für den Verkehr sperren zu müssen. Das war ihr Ende. Bald war sie eingepflügt. Von Nederling führte außerdem eine Straße nach Osten zur Dachauerstraße. Sie heißt heute [[Baldurstraße]]. Ihre schönen Ahornbäume hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Nederlinger Bauer Matthias Reindl gepflanzt, weil er eine schattige Straße für den Kirchgang wollte. Vermutlich ist er bei der Sadelerstraße links abgebogen, die damals noch nicht an der Baldurstraße endete sondern entlang der Mauer des alten Westfriedhofs zur Moosacher Martinskirche führte. Sie hieß Bodenbreitenstraße und führte von Gern her direkt nach Moosach, wurde bei der Anlage des neuen Friedhofteils aufgelassen, ist aber noch als breiter Weg zwischen der alten und der neuen Friedhofsanlage zu erkennen. | ||
==20. Jahrhundert bis heute== | ==20. Jahrhundert bis heute== | ||
Im Jahr 1909 wurden die Straßenbahngleise vom [[Rotkreuzplatz]] zum [[Westfriedhof]] verlängert, auf denen einst die Nr. 4 fuhr. Als die [[U-Bahn]] zum Rotkreuzplatz gebaut wurde, | Im Jahr 1909 wurden die Straßenbahngleise vom [[Rotkreuzplatz]] zum [[Westfriedhof]] verlängert, auf denen einst die Nr. 4 fuhr. Als die [[U-Bahn]] zum Rotkreuzplatz gebaut wurde, musste die Nr. 4 am 27. September [[1981]] eingestellt und durch eine Omnibus-Linie ersetzt werden, bis am 24.Mai 1998 erstmals eine U 1 den Westfriedhof erreichte. | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
*Roman "Föhn" von Martin Gregor Dellin, der 1963 - 1969 in der | *Roman "Föhn" von Martin Gregor Dellin, der 1963 - 1969 in der Nederlinger Straße gewohnt hat. | ||
*Quelle für die Zeit vor dem 2. Weltkrieg: ''Volker D. Laturell'' und ''Georg Mooseder'', Moosach 1. Bd. 1980, 2. Bd. 1985, 3. Bd. 1988. | *Quelle für die Zeit vor dem 2. Weltkrieg: ''Volker D. Laturell'' und ''Georg Mooseder'', Moosach 1. Bd. 1980, 2. Bd. 1985, 3. Bd. 1988. | ||
[[Kategorie:Geographie]] | [[Kategorie:Geographie]] | ||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||