Ernst Woltereck: Unterschied zwischen den Versionen

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Nach der Neugründung der NSDAP Anfang 1925 amtierte Woltereck von Februar 1925 bis Mai 1926 als Führer (Sektionsvorsitzender) der NSDAP-Sektion Schwabing.
Nach der Neugründung der NSDAP Anfang 1925 amtierte Woltereck von Februar 1925 bis Mai 1926 als Führer (Sektionsvorsitzender) der NSDAP-Sektion Schwabing.


In dieser Stellung war Woltereck für die administrative Leitung der Sektion, für die Leitung ihrer Vereinsabende und für die von ihr geleistete Propagandaarbeit zuständig. Zudem leitete er zahlreiche größere politische Versammlungen der NSDAP in Schwabing während der Jahre 1925 und 1926 in Versammlungsstätten wie dem Restaurant ''Zur Blüte'' und im ''Alten Hackerbräu'', bei denen öfter Hitler selbst und führende Parteifunktionäre wie Wolterecks persönlicher Freund Hermann Esser auftraten. Woltereck galt während dieser Jahre zudem selbst als einer der bedeutendsten Parteiredner der NSDAP in München.
In dieser Stellung war Woltereck für die administrative Leitung der Sektion, für die Leitung ihrer Vereinsabende und für die von ihr geleistete Propagandaarbeit zuständig. Zudem leitete er in dieser Zeit zahlreiche größere politische Versammlungen der NSDAP in Versammlungsstätten in Schwabing wie dem Restaurant ''Zur Blüte'' und im ''Alten Hackerbräu'', bei denen öfter Hitler selbst und führende Parteifunktionäre wie Wolterecks persönlicher Freund Hermann Esser auftraten. Woltereck galt während dieser Jahre zudem selbst als einer der bedeutendsten Parteiredner der NSDAP in München.


Während der Phase nach der Wiederaufstellung der NSDAP spielten die Münchener Sektionen eine große Rolle im Innenleben der NSDAP. Grund hierfür war, dass die Partei in den Jahren 1925 und 1926, während sie sich nach ihrer Neugründung konsolidierte, einen starken Schwerpunkt in der Stadt hatte, bis es ihr allmählich gelang, sich regional und dann landesweit auszudehnen. Die von Woltereck geleitete Sektion Schwabing war dabei die mitgliederstärkste der gesamte Ortsgruppe München der Partei. Die Sektion Schwabing galt mithin als „die tragende Säule“ der Ortsgruppe München. Da die Münchener Ortsgruppe keinen Vorsitzenden hatte, sondern direkt Hitler als Parteivorsitzendem unterstellt war, waren auch die Führer der Sektionen ihm direkt unterstellt.
In den Jahren 1925 und 1926 spielten die Münchener Sektionen eine große Rolle im Innenleben der NSDAP. Grund hierfür war, dass die Partei unmittelbar nach ihrer Neugründung einen starken Schwerpunkt in der Stadt hatte, bis es ihr allmählich gelang, sich regional und dann landesweit auszudehnen. Die von Woltereck geleitete Sektion Schwabing war dabei die mitgliederstärkste der gesamten [[NSDAP-Ortsgruppe]] München und galt mithin als deren „tragende Säule“. Da die Münchener Ortsgruppe keinen Vorsitzenden hatte, sondern direkt Hitler als Parteivorsitzendem unterstellt war, waren auch die Führer der Sektionen ihm direkt unterstellt.


Woltereck nahm nicht nur aufgrund seiner Stellung als Sektionsvorsitzender der Parteisektion Schwabing eine exponierte und einflussreiche Stellung in der NSDAP der Jahre 1925 und 1926 ein, sondern auch weil seine Sektion mit Abstand die meisten Spenden für die Partei in der Hauptstadt einwarb und die Tätigkeit der Geschäftsstelle der Reichsleitung der NSDAP durch die dieser von ihm zugeleiteten von seiner Sektion gesammelten Spenden und Mitgliedsbeiträge während dieser Zeit in einem erheblichen Maße finanziert wurde. Laut [[Mathias Rösch]]s Forschungen war die Sektion Schwabing 1925 und 1926 eine „bedeutende finanzielle Stütze der Reichsleitung “ der NSDAP.
Woltereck nahm nicht nur aufgrund seiner Stellung als Sektionsvorsitzender der Parteisektion Schwabing eine exponierte und einflussreiche Stellung in der NSDAP der Jahre 1925 und 1926 ein, sondern auch weil seine Sektion mit Abstand die meisten Spenden für die Partei in der Hauptstadt einwarb und die Tätigkeit der Geschäftsstelle der Reichsleitung der NSDAP dadurch erheblich finanziert wurde. Laut [[Mathias Rösch]]s Forschungen war die Sektion Schwabing 1925 und 1926 eine „bedeutende finanzielle Stütze der Reichsleitung“ der NSDAP.


Auch die von der Stadt München herausgegebene Dokumentation ''München, 'Hauptstadt der Bewegung'. Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus'' von 1993 hält fest, dass Woltereck die Sektion Schwabing während der Jahre nach ihrer Gründung „entscheidend prägte“.<ref>S. 18.</ref>
Auch die von der Stadt München herausgegebene Dokumentation ''München, 'Hauptstadt der Bewegung'. Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus'' von 1993 hält fest, dass Woltereck die Sektion Schwabing während der Jahre nach ihrer Gründung „entscheidend prägte“.<ref>S. 18.</ref>


Nachdem Woltereck sich im Sommer 1925 gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden der Sektion Schwabing, Scherbauer, wegen verschiedener Angelegenheiten monatelang vergeblich um eine Unterredung mit Hitler bemüht hatten, und sie mit ihrer Forderung nach sofortigem und unmittelbaren Zugang zu Hitler keinen Erfolg hatten, trat er zusammen mit dem gesamten Schwabinger Sektionsvorstand zurück. Woltereck hatte zuvor kritisiert, dass es unmöglich sei, „die Gedanken und Ideen eines Führers in die Masse zu tragen, wenn man mit dem Führer keine Fühlung“ habe. Hitler initiierte daraufhin binnen weniger Tage zwei versöhnliche Aussprachen, in denen er Woltereck nicht nur für die Treue während seiner Haft in Landsberg und für den mustergültigen Ausbau der Sektion Schwabing dankte, sondern ihm auch zusicherte, dass er jederzeit ohne Mittelsmann zu ihm kommen könnt. Daraufhin kehrten Woltereck und die übrigen Schwabinger wieder in ihre Ämter zurück.
Nachdem Woltereck sich im Sommer 1925 gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden der Sektion Schwabing, Scherbauer, wegen verschiedener Angelegenheiten monatelang vergeblich um eine sofortige Unterredung mit Hitler bemüht hatten, trat er zusammen mit dem gesamten Schwabinger Sektionsvorstand zurück. Woltereck hatte zuvor kritisiert, dass es unmöglich sei, „die Gedanken und Ideen eines Führers in die Masse zu tragen, wenn man mit dem Führer keine Fühlung“ habe. Hitler initiierte daraufhin binnen weniger Tage zwei versöhnliche Aussprachen, in denen er Woltereck nicht nur für die Treue während seiner Haft in der [[Festung Landsberg]] und für den mustergültigen Ausbau der Sektion Schwabing dankte, sondern ihm auch zusicherte, dass er jederzeit ohne Mittelsmann zu ihm kommen könne. Daraufhin kehrten Woltereck und die übrigen Schwabinger wieder in ihre Ämter zurück.


Rösch zufolge führten der Erfolg und die Bedeutung seiner Sektion, wie auch die „sektionsinterne Verehrung als charismatischer Führer“, die die Sektionsmitglieder ihm entgegenbrachten, in Verbindung miteinander sowie mit den Ereignissen um den kurzzeitigen Rücktritt des Schwabinger Sektionsvorstandes im September 1925 dazu, dass Wolterecks Selbstbewusstsein sich gewaltig steigerte und dass er zu glauben begann, dass er einen besonderen Einfluss auf Hitler besitze. Dies schlug sich, nach Rösch, darin nieder, dass er Anerkennung durch die Parteiöffentlichkeit verlangte (Woltereck: „für diese Leute existiert nur Hitler, die Bewegung kennen sie nicht.“). Nach Röschs Forschung bemühte Hitler sich in der Folgezeit auch intensiv um Woltereck, „lobte und ermunterte ihn und vermied jeden harten oder autoritären Ton“, wie er in späteren Jahren bei Auseinandersetzungen mit Münchener Parteiführern zu tun pflegen sollte. Als Grund hierfür machte Rösch aus, dass Hitlers Position als Parteiführer zu diesem Zeitpunkt sehr fragil, seine Autorität innerhalb der Partei noch nicht überall unhinterfragt anerkannt und seine Hausmacht aufgrund anderer Ereignisse damals stark erschüttert war.
Rösch zufolge führten der Erfolg und die Bedeutung seiner Sektion, wie auch die „sektionsinterne Verehrung als charismatischer Führer“, die die Sektionsmitglieder ihm entgegenbrachten, in Verbindung miteinander sowie mit den Ereignissen um den kurzzeitigen Rücktritt des Schwabinger Sektionsvorstandes im September 1925 dazu, dass Wolterecks Selbstbewusstsein sich gewaltig steigerte und dass er zu glauben begann, dass er einen besonderen Einfluss auf Hitler besitze. Demzufolge habe er Anerkennung durch die Parteiöffentlichkeit verlangt (Woltereck: „für diese Leute existiert nur Hitler, die Bewegung kennen sie nicht.“). Nach Röschs Forschung bemühte Hitler sich in der Folgezeit auch intensiv um Woltereck, „lobte und ermunterte ihn und vermied jeden harten oder autoritären Ton“, wie er in späteren Jahren bei Auseinandersetzungen mit Münchener Parteiführern zu tun pflegen sollte. Als Grund hierfür machte Rösch aus, dass Hitlers Position als Parteiführer zu diesem Zeitpunkt sehr fragil, seine Autorität innerhalb der Partei noch nicht überall unhinterfragt anerkannt und seine Hausmacht aufgrund anderer Ereignisse damals stark erschüttert war.


1925 und 1926 beteiligte Woltereck sich, zusätzlich zu seiner Arbeit in München, auch an der Gründung zahlreicher NSDAP-Ortsgruppen im Umland der Stadt (was er bereits 1923 getan hatte). Er hielt auch verschiedentlich Reden als Parteiredner außerhalb der Stadt.
1925 und 1926 beteiligte Woltereck sich, zusätzlich zu seiner Arbeit in München, auch an der Gründung zahlreicher NSDAP-Ortsgruppen im Umland der Stadt (was er bereits 1923 getan hatte). Er hielt auch verschiedentlich Reden als Parteiredner außerhalb der Stadt.
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Im Mai 1926 trat Woltereck vom Posten des Vorsitzenden der NSDAP-Sektion Schwabing zurück. Grund hierfür war, dass er sich von Hitler nicht für hinreichend anerkannt hielt, speziell, dass dieser ihm nicht während der Generalmitgliederversammlung der NSDAP am 22. Mai 1926 namentlich für die von ihm geleistete Arbeit seinen Dank ausgesprochen hatte.
Im Mai 1926 trat Woltereck vom Posten des Vorsitzenden der NSDAP-Sektion Schwabing zurück. Grund hierfür war, dass er sich von Hitler nicht für hinreichend anerkannt hielt, speziell, dass dieser ihm nicht während der Generalmitgliederversammlung der NSDAP am 22. Mai 1926 namentlich für die von ihm geleistete Arbeit seinen Dank ausgesprochen hatte.


Rösch formulierte die Vermutung, dass Woltereck seinen Rücktritt erneut als ein Druckmittel benutzen wollte: Dieses Mal, um sich die ausdrücklich ausgesprochene Anerkennung zu ertrotzen, die ihm in der Generalmitgliederversammlung versagt geblieben war.
Rösch vermutet, dass Woltereck seinen Rücktritt erneut als ein Druckmittel benutzen wollte: Dieses Mal, um sich die ausdrücklich ausgesprochene Anerkennung zu ertrotzen, die ihm in der Generalmitgliederversammlung versagt geblieben war.


Hitlers Stellung in der Partei war indessen im Frühjahr 1926, im Vergleich zum Herbst 1925, zumal nach der sogenannten [[Bamberger Führertagung]], erheblich stärker geworden. Er hatte die Partei inzwischen in ganz Bayern fest in der Hand, sodass München die existentielle Bedeutung als Hausmacht im Vergleich zum Vorjahr verloren hatte. Dementsprechend besaß Hitler 1926 erheblich mehr Selbstbewusstsein als im Vorjahr: Er versuchte zwar, Woltereck in den Wochen nach dessen Rücktritt zur Rückkehr auf seinen Posten zu bewegen. Und er bekundete auch öffentlich, dass Woltereck sein „unbegrenztes Vertrauen“ habe. Hitler lehnte es aber ab, auf Wolterecks Forderungen einzugehen. Stattdessen verlangte Hitler im Gegensatz zum Vorjahr, mit Röschs Worten, „absolute und bedingungslose Unterwerfung“.
Hitlers Stellung in der Partei war indessen im Frühjahr 1926, im Vergleich zum Herbst 1925, zumal nach der sogenannten [[Bamberger Führertagung]], erheblich stärker geworden. Er hatte die Partei inzwischen in ganz Bayern fest in der Hand, sodass München die existentielle Bedeutung als Hausmacht im Vergleich zum Vorjahr verloren hatte. Dementsprechend besaß Hitler 1926 erheblich mehr Selbstbewusstsein als im Vorjahr: Er versuchte zwar, Woltereck in den Wochen nach dessen Rücktritt zur Rückkehr auf seinen Posten zu bewegen. Und er bekundete auch öffentlich, dass Woltereck sein „unbegrenztes Vertrauen“ habe. Hitler lehnte es aber ab, auf Wolterecks Forderungen einzugehen. Stattdessen verlangte Hitler im Gegensatz zum Vorjahr, mit Röschs Worten, „absolute und bedingungslose Unterwerfung“.
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Während der zwei Monate dieses Schwebezustands war die Arbeit der Sektion Schwabing durch Wolterecks Rücktritt bzw. durch die Vakanz des Vorsitzendenpostens weitgehend gelähmt. Infolgedessen konnte Woltereck auch nicht mehr mit der geschlossenen Unterstützung der Mitgliederbasis seiner Sektion rechnen. Er blieb daher bei seinem Rücktritt.
Während der zwei Monate dieses Schwebezustands war die Arbeit der Sektion Schwabing durch Wolterecks Rücktritt bzw. durch die Vakanz des Vorsitzendenpostens weitgehend gelähmt. Infolgedessen konnte Woltereck auch nicht mehr mit der geschlossenen Unterstützung der Mitgliederbasis seiner Sektion rechnen. Er blieb daher bei seinem Rücktritt.


Nachdem Woltereck sich endgültig entschieden hatte, nicht als Vorsitzender in die Leitung der Sektion zurückzukehren, wurde [[Karl Fiehler]] (der 1933 zum Oberbürgermeister von München ernannt werden sollte) am 22. Juli 1926 bei einer Neuwahl innerhalb der Sektion auf den Posten des Sektionsvorsitzenden gewählt (er setzte sich bei dieser Wahl gegen [[Albert Dressler]] durch). Rösch zufolge tat Fiehler sich als Leiter der Sektion zunächst schwer, da er weniger charismatisch als sein Vorgänger war.
Nachdem Woltereck sich endgültig gegen eine Rückkehr als Sektionsvorsitzender entschieden hatte, wurde [[Karl Fiehler]] (der 1933 zum Oberbürgermeister von München ernannt werden sollte) am 22. Juli 1926 bei einer Neuwahl innerhalb der Sektion auf den Posten des Sektionsvorsitzenden gewählt (er setzte sich bei dieser Wahl gegen [[Albert Dressler]] durch). Rösch zufolge tat Fiehler sich als Leiter der Sektion zunächst schwer, da er weniger charismatisch als sein Vorgänger war.


Rösch vermutete auch, dass die in der Zeit nach Wolterecks Rücktritt im Mai 1926 signifikant zunehmende Zahl der Parteiaustritte in München eine Folge desselben waren: Zur Begründung führte er aus: Zuvor, während Wolterecks Amtszeit, hatte die Sektion sogar die höchsten Beitrittszahlen zu verzeichnen gehabt. Die Eintritte gingen ab Frühsommer 1926 deutlich zurück und zeigten erst ab Jahresende 1928 eine deutlich steigende Tendenz.
Rösch vermutete auch, dass die in der Zeit nach Wolterecks Rücktritt im Mai 1926 signifikant zunehmende Zahl der Parteiaustritte in München eine Folge desselben waren: Zur Begründung führte er aus: Zuvor, während Wolterecks Amtszeit, hatte die Sektion sogar die höchsten Beitrittszahlen zu verzeichnen gehabt. Die Eintritte gingen ab Frühsommer 1926 deutlich zurück und zeigten erst ab Jahresende 1928 eine deutlich steigende Tendenz.
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