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Trotz seiner, gemessen an den am Isar-Werkkanal befindlichen Werken, eher geringen Energieausbeute ist das Maxwerk aufgrund des wartungsarmen Betriebes und seiner historischen Bedeutung bis heute in Betrieb. Bei der [[Sanierung]] 1953 wurde die [[Francis-Turbine]] gegen eine [[Propeller-Turbine]] ausgetauscht, 1976 musste der ursprüngliche [[Gleichstromgenerator]] einem [[Drehstrom-Asynchron-Generator]] weichen. Die Kraftwerksleistung konnte mit dieser Kombination auf rund 410 kW gesteigert werden, was einer jährlichen Strommenge von 2,7 Millionen kWh entspricht. | Trotz seiner, gemessen an den am Isar-Werkkanal befindlichen Werken, eher geringen Energieausbeute ist das Maxwerk aufgrund des wartungsarmen Betriebes und seiner historischen Bedeutung bis heute in Betrieb. Bei der [[Sanierung]] 1953 wurde die [[Francis-Turbine]] gegen eine [[Propeller-Turbine]] ausgetauscht, 1976 musste der ursprüngliche [[Gleichstromgenerator]] einem [[Drehstrom-Asynchron-Generator]] weichen. Die Kraftwerksleistung konnte mit dieser Kombination auf rund 410 kW gesteigert werden, was einer jährlichen Strommenge von 2,7 Millionen kWh entspricht. | ||
===Ausblick=== | === Ausblick === | ||
Die Stromerzeugung am Auer Mühlbach ist mit den drei bestehenden Anlagen nicht unbedingt ausgereizt, wie Planungen der M.A.M.M.U.T. Electric GmbH zeigen. Diese beabsichtigt laut einer Bekanntmachung von 2001 auf Höhe des ehemaligen [[Muffathalle|Muffatwerkes]] eine neue Turbinenanlage zu errichten. Die Planungen sehen vor, die an dieser Stelle des Baches durch Aufstauung erreichbare Netto-Fallhöhe von 3,78 m zu nutzen, um eine über einen [[Zuströmtrichter]] der Firma [[Escher-Wyss]] gespeiste [[Kaplan-Rohrturbine]] mit einem Laufrad von 1,45 m Durchmesser und einer [[Wellenleistung]] von 341 kW bei einer [[Drehzahl]] von 273 U/min anzutreiben. Der daran über Riemen gekoppelte [[Generator]] soll aufgrund des sehr günstigen [[Wirkungsgrad]]es der Anlage von über 90 % etwa 300 kW Strom in das Netz der Stadt einspeisen. Wie bereits beim Bau des Maxwerkes vor über 100 Jahren sollen auch beim Bau der neuen Anlage am Muffatwerk landschaftspflegerische Elemente berücksichtigt werden. Der bei Wasserturbinenanlagen zur Abhaltung von Treibgut erforderliche Rechen etwa soll nicht wie sonst üblich unmittelbar vor dem Kraftwerk angebracht werden, sondern bereits vor der [[Ludwigsbrücke (München)|Ludwigsbrücke]] am ''Rentamtssteg''. Damit will man verhindern, dass Zwischenlagerung und Abtransport von angeschwemmtem Treibgut zu Beeinträchtigungen im landschaftlich sensiblen Bereich um die Muffathalle und das Volksbad führen. | Die Stromerzeugung am Auer Mühlbach ist mit den drei bestehenden Anlagen nicht unbedingt ausgereizt, wie Planungen der M.A.M.M.U.T. Electric GmbH zeigen. Diese beabsichtigt laut einer Bekanntmachung von 2001 auf Höhe des ehemaligen [[Muffathalle|Muffatwerkes]] eine neue Turbinenanlage zu errichten. Die Planungen sehen vor, die an dieser Stelle des Baches durch Aufstauung erreichbare Netto-Fallhöhe von 3,78 m zu nutzen, um eine über einen [[Zuströmtrichter]] der Firma [[Escher-Wyss]] gespeiste [[Kaplan-Rohrturbine]] mit einem Laufrad von 1,45 m Durchmesser und einer [[Wellenleistung]] von 341 kW bei einer [[Drehzahl]] von 273 U/min anzutreiben. Der daran über Riemen gekoppelte [[Generator]] soll aufgrund des sehr günstigen [[Wirkungsgrad]]es der Anlage von über 90 % etwa 300 kW Strom in das Netz der Stadt einspeisen. Wie bereits beim Bau des Maxwerkes vor über 100 Jahren sollen auch beim Bau der neuen Anlage am Muffatwerk landschaftspflegerische Elemente berücksichtigt werden. Der bei Wasserturbinenanlagen zur Abhaltung von Treibgut erforderliche Rechen etwa soll nicht wie sonst üblich unmittelbar vor dem Kraftwerk angebracht werden, sondern bereits vor der [[Ludwigsbrücke (München)|Ludwigsbrücke]] am ''Rentamtssteg''. Damit will man verhindern, dass Zwischenlagerung und Abtransport von angeschwemmtem Treibgut zu Beeinträchtigungen im landschaftlich sensiblen Bereich um die Muffathalle und das Volksbad führen. | ||
==Literatur== | == Biotop am Auer Mühlbach == | ||
* | Die Wasserfläche des Baches und die allgemeine Grünfläche entlang der ''Quellenstraße'' bis zum ''Riggauer Weg'' in der Au wurden von der Stadt als '''Münchner Stadtbiotop Nr. 320''' (bisher ohne Schutzstatus) erfasst. Das ausgewiesene Gebiet umfasst eine Fläche von etwa dreieinhalb Hektar und wird von der Kreisgruppe München des [[Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.|Landesbundes für Vogelschutz in Bayern]] betreut. | ||
=== Geländebeschreibung und Vegetation === | |||
Das gleichförmig rund acht Meter breite Bett des Auer Mühlbachs verläuft im Biotop auf der Westseite der schmalen, für Kraftfahrzeuge nicht zugelassenen Quellenstraße am Hangfuß des östlichen Isar-Hochufers. Das Bachbett ist in diesem Bereich zur Quellenstraße und auch am Gegenufer zu den angrenzenden Freiflächen und Gebäuden fast vollständig mit senkrechten Stein- und Betonmauern (auf 20 Metern Holzverbau) gefasst und mit einem Metallgeländer gesichert. Aus der hangseitigen Ufermauer ragen etwa ein Dutzend Einleitungsrohre hervor, in deren Umgebung dichte [[Laubmoos]]polster gedeihen. Die Fließgeschwindigkeit des Auer Mühlbachs erreicht entlang eines gewerblich genutzten Gebäudes am ''Kegelhof'', wo das Bachbett sich auf gut 50 Metern Länge auf rund sechs Meter verengt, über drei Meter pro Sekunde. In diesem Bereich siedelt ein großer Bestand des [[Sichelblättriges Gitterzahnmoos|Sichelblättrigen Gitterzahnmooses]], das sonst nur für klare Bergbäche typisch ist - möglicherweise ist dieser Bestand der nördlichste in Oberbayern. Auf dem kurzen oberirdischen Abschnitt im Biotop wird der Bach in teilweise unter hundert Metern Abstand von vier Stegen überbrückt. Zusätzlich liegen in diesem Abschnitt drei Unterwasserwehre, an denen gleichförmige Stromschnellen ausgebildet sind. Das Ostufer an der Quellenstraße ist auf mindestens vier Metern Breite vollständig versiegelt, allerdings ist die Asphaltdecke in Ufernähe stellenweise aufgebrochen, dort hat sich ein [[Trittrasen]] gebildet. Während im Südteil des Gebietes mehrere Gebäude unmittelbar ans Westufer gebaut sind, grenzen nördlich der Einmündung des ''Kegelhofbaches'' Rasenflächen mit Bäumen an das Ufer, darunter sind auch wenige dickstämmige [[Silberweide]]n und [[Pappel]]n. | |||
[[Bild:LigusterBlütenstand.jpg|thumb|170px|Blütenstand des Ligusters]] | |||
Der bis zu 40 Grad steile Talhang oberhalb des Baches ist durch mehrere diagonal verlaufende Wege mit Treppen erschlossen und durchgängig vor allem mit Edellaubhölzern bewaldet. [[Esche]]n und [[Spitzahorn]] mit Stammdurchmessern von 30 bis 60 Zentimetern in ein Meter Höhe herrschen vor, einzelne Bäume sind noch dicker. Weitere Gehölze sind [[Rosskastanie]], [[Schwarzer Holunder]] und [[Liguster]]. Eine mäßig dichte Strauchschicht ist nur partiell ausgebildet, Jungwuchs der genannten Baumarten dagegen reichlich vorhanden. Die Krautschicht aus Nährstoffzeigern ist nur spärlich entwickelt. Im unteren Hangdrittel treten mehrere Sicker- beziehungsweise Fließquellen aus. Die ungefassten Sickerquellen sind nahezu vegetationsfrei mit einer lückenhaften Decke aus [[Quellmoos]]en. Eine mehrere Liter pro Sekunde schüttende Quelle ist gefasst und ummauert, ihr Abfluss erfolgt über mehrere Kaskaden in einem mit [[Nagelfluh]]-Blöcken befestigten Bett. [[Bild:Windflower aka.jpg|thumb|170px|left|Blüte des Buschwindröschens]]Vor allem im Nordteil des Biotops ist am Hangfuß eine ungewöhnlich wuchsstarke, von [[Brennnessel]]n, [[Bärenklau]] und [[Knaulgras]] dominierte [[Nitrophyten]]flur entwickelt, die selbst nach einem Sommerschnitt Anfang Juli innerhalb von acht Wochen nochmals eine Wuchshöhe von 60 bis 90 Zentimetern erreicht. Im Südteil befinden sich am Rand der Quellenstraße zwei kleinflächige [[Fettwiese]]n. Am südlichen Ende der Quellenstraße trennt eine Gehölzinsel mit einer an der Stammbasis 1,2 Meter dicken Esche mit [[Zwieselwuchs]] das Bachbett auf 60 Meter Länge von der Straße. Der bewaldete Steilhang ist stellenweise mit Nagelfluh- und Ziegelstützmauern gesichert, diese Mauern sind sickerfeucht und beherbergen einen ungewöhnlich reichen Bewuchs mit seltenen Kalk-Tuffmoosen. Einige [[Moos]]arten kommen in der ganzen Innenstadt einzig hier vor, neben anderen Laubmoosen wurden im Biotop folgende gefährdete Arten klassifiziert: [[Wirteliges Schönastmoos]], [[Schlankes Spaltzahnmoos]] und [[Veränderliches Starknervmoos]]. Die weitere Flora besteht unter anderem aus [[Bärlauch]], [[Buschwindröschen]], [[Hohler Lerchensporn|Hohlem Lerchensporn]], [[Blutroter Hartriegel|Blutrotem Hartriegel]], [[Kratzbeere]], [[Giersch]], [[Knoblauchsrauke]], [[Mauerraute]], [[Waldsegge]], [[Wiesenknaulgras]], [[Behaartes Weidenröschen|Behaartem Weidenröschen]], [[Gewöhnliche Nelkenwurz|Gewöhnlicher Nelkenwurz]], [[Wiesenbärenklau]], [[Kleinblütiges Springkraut|Kleinblütigem Springkraut]] und [[Platthalmrispengras]]. Als Problempflanzen sind invasive [[Neophyten]] wie [[Schlanke Karde]], [[Behaartes Knopfkraut]], [[Japan-Knöterich]] und [[Schneebeere]] anzusehen, die derzeit etwa zwei Prozent Deckungsanteil erreichen. | |||
=== Fauna === | |||
==== Fischfauna ==== | |||
Trotz seiner extremen Querbauwerke (Marienklausenwehr, Gasteig und andere) beherbergt der Auer Mühlbach eine artenreiche Fischfauna. Laut Fischereiverein „Die Isarfischer e. V.“ und Landesfischereiverband (LFV) kommen die folgenden Fischarten vor: Aal (''Anguilla anguilla''), Aitel (''Leucisus cephalus''), Äsche (''Thymallus thymallus''),Bachforelle (''Salmo trutta fario''), Bachsaibling (''Salvelinus fontinalis''), Barbe (''Barbus barbus''), Hecht (''Esox lucius''), Huchen (''Hucho hucho''), Regenbogenforelle (''Oncorhynchus mykil''), Quappe (''Lota lota'') und Streber (''Zingel streber''). Allerdings ist die Alterspyramide der Fischfauna gestört, es werden fast nur Jungfische festgestellt. Dies liegt daran, dass der Bach zur ''„Bachauskehr“'' regelmäßig ausgelassen wird und anschließend neu besiedelt werden muss. Dabei ist ein Fischaufstieg über die extrem hohen Wehre nicht möglich, lediglich ein Einschwemmen von Jungfischen durch die Ausleitung aus der Isar ist vorstellbar. Das Vorhandensein einiger extrem gefährdeter Arten selbst im Auer Mühlbach gibt Aufschluss über die noch weit artenreichere Isar, in der auch die Hauptreproduktionsgebiete der Fische liegen. Die hohe Bedeutung der an gefährdeten Arten reichen Fischfauna muss dringend bei der Reservierung der Restwassermenge für die Isar berücksichtigt werden. Auch die Wasserkraftwerke im Stadtbereich stellen einen Gefährdungsfaktor dar. Da es sich überwiegend um Jungfische handelt, ist ein ausreichender Schutz über die Rechen nicht gewährleistet. Jungfische können die Rechenstäbe mit ihren etwa drei Zentimetern großen Abständen mühelos passieren, daher ist von einem permanenten Turbinentod auszugehen. | |||
==== Landfauna ==== | |||
Gefährdete Arten der Vogel- und Säugetierfauna im Biotop sind Eichhörnchen, Zaunkönig und Zilpzalp. | |||
== Literatur == | |||
*''Bauen in München 1960 bis 1970'', herausgegeben vom Baureferat der Stadt München: Begründung zur Auflassung der Stadtbäche | |||
*Helmut Lindner: ''Alte Dörfer rechts der Isar vor den Toren Münchens. Giesing, Au, Haidhausen. Seit 125 Jahren bei München, 1854 - 1979'', München 1979, 207 Seiten, mit Abbildungen. Monacensia-Bibliothek Nr. 16.723 | |||
*Michael Dosch: ''Projekt zur Isarregulierung und Bebauung der Stadtbezirke Au'', München 1897. Monacensia 2° Mon. 59 | |||
*Josef Freudenberger: ''Aus der Geschichte der Au (München). Die alte Au'', München 1927, 256 Seiten, mit Abbildungen. Monacensia 8° Mon. 3.339 | |||
*Josef Freudenberger: ''Aus der Geschichte der Au. Hauptsächlich die Geschichte der Au von Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Einverleibung in München'', München 1913, 220 Seiten, mit Abbildungen. Monacensia 8° Mon. 25 | |||
*Anselm Martin: ''Topographie und Statistik des K.B. Landgerichts Au bei München'', München 1837. Monacensia 8° Mon. 316 | |||
*Martin Reinkowski: ''Die Au um 1900. Vorstadt zwischen Mittelalter und Moderne'', München 1987, 96 Seiten, mit Abbildungen (Ausstellungskatalog). Monacensia Mon. 19.277 | |||
*Hermann Wilhelm: ''In der Münchner Vorstadt Au'', München 2003, 144 Seiten, mit Abbildungen. | |||
*Thomas Will (Technische Universität München/Lehrstuhl für Entwerfen und Denkmalpflege): ''Der Auer Mühlbach. Architektonisches Entwerfen als Interpretation des Ortes. Studienprojekte für einen Münchner Stadtbach'', München 1984. 127 Seiten, mit Abbildungen | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
*[http://www.auer-muehlbach.de/ Der Auer Mühlbach] - ein Münchner Stadtbach im Wandel der Zeit | *[http://www.auer-muehlbach.de/ Der Auer Mühlbach] - ein Münchner Stadtbach im Wandel der Zeit | ||
*[http://www.lbv-muenchen.de/Arbeitskreise/Biotope/Biotope.innen1/auer.muehlbach.htm LBV-München] Biotop am Auer Mühlbach | |||
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