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Bereits vor der Stadtgründung Münchens wurde das Wasser der Isar für den Betrieb von [[Mühle]]n genutzt. Da der früher wilde Gebirgsfluss ständig seinen Lauf änderte und starke [[Pegel]]schwankungen aufwies, verwendete man dazu jedoch nicht den unberechenbaren Hauptarm, sondern einen künstlich abgeleiteten Nebenarm mit konstanter Wasserführung, den Mühlbach. Die älteste schriftlich belegte Mühle war die ''Bäckermühle'', die 957 erstmalig in einer Urkunde erwähnt wurde, in welcher der Edle ''Wolftregil'' die Mühle zu [[Obergiesing|Kiesingenum]] (Giesing) samt dazugehörigen Grundbesitz dem Bischof von Freising übertrug. | Bereits vor der Stadtgründung Münchens wurde das Wasser der Isar für den Betrieb von [[Mühle]]n genutzt. Da der früher wilde Gebirgsfluss ständig seinen Lauf änderte und starke [[Pegel]]schwankungen aufwies, verwendete man dazu jedoch nicht den unberechenbaren Hauptarm, sondern einen künstlich abgeleiteten Nebenarm mit konstanter Wasserführung, den Mühlbach. Die älteste schriftlich belegte Mühle war die ''Bäckermühle'', die 957 erstmalig in einer Urkunde erwähnt wurde, in welcher der Edle ''Wolftregil'' die Mühle zu [[Obergiesing|Kiesingenum]] (Giesing) samt dazugehörigen Grundbesitz dem Bischof von Freising übertrug. | ||
[[Bild: | [[Bild:Muehlbach in Giesing um 1850.jpg|thumb|270px|left|Auer Mühlbach unterhalb Giesings um etwa 1850]] Neben der Antriebskraft für Mühlen und andere Maschinen wie [[Sägewerk]]e lieferte der Auer Mühlbach auch Wasser für [[Färberei]]en und [[Gerberei]]en. Bereits um das Jahr 1330 wurde auf Höhe der [[Marienklause]] am östlichen Isarsteilufer das erste große Isar[[wehr]] erbaut, um die Isar nach Westen zu zwingen, da die aufstrebende Stadt München Wasser für die [[Flößerei]], für Mühlen und die Wassergräben der Stadtbefestigung benötigte. Schon damals regulierte eine im Wehr angebrachte Schleuse den Zufluss zum Auer Mühlbach. 1347 kam zu drei bestehenden Mahlmühlen die erste [[Papiermühle]] im Münchner Raum hinzu. Sie stand „Auf der Insel“ beim heutigen ''Kegelhof'' und erhielt von Kaiser [[Ludwig IV. (HRR)|Ludwig]] dem Baiern das [[Privileg]], als einzige Mühle im Umkreis von sieben Meilen Papier herstellen zu dürfen. Unter dem Schutz des Privilegs, das die Sammlung der zur Papierherstellung notwendigen Lumpen, Hadern und Fetzen einschloss, gründete sich die [[Gilde]] der „Altbayerischen Lumpensammler“. Fischfang und Jagd in den umgebenden Wäldern ließen am Bach die Siedlung ''Au'' entstehen, später wurde der Ort zu einer beliebten Sommerresidenz von Münchner [[Patrizier]]familien. Unter der Herrschaft [[Herzog]] [[Wilhelm V. (Bayern)|Wilhelms V.]] fand im frühen 17. Jahrhundert ein weiterer Ausbau des Baches statt. Um seine Gartenanlagen und Fischzucht in ''Neudeck'' besser mit Wasser versorgen zu können, ließ Wilhelm dem Mühlbach ein weiteres und tieferes Bett graben. | ||
Relativ früh entstand entlang des Baches Münchens erstes [[Industrie]]gebiet. Im Jahr 1816 gab es alleine in der Au 60 Wasserräder, die den Betrieb einer [[Hammerschmiede]], eines [[Bräuhaus]]es, je zweier Papiermühlen, Schleifmühlen, [[Walke]]n und [[Fabrik]]en, von sechs Getreidemühlen und sieben Sägemühlen ermöglichten. Bis zur Einrichtung einer [[Kanalisation]] wurden Abfälle und Abwässer aller Art und Herkunft in den Mühlbach entsorgt. Durch eine städtische Verordnung wurde geregelt, dass dies nur während der Nacht gestattet war, da die Frauen tagsüber ihre Wäsche im Mühlbach wuschen. Die [[Industrialisierung]] brachte die zunehmende Ansiedlung [[Proletariat|proletarischer]] Bevölkerungsschichten mit sich und die [[Au-Haidhausen|Au]], die kurzfristig sogar eine eigenständige Stadt gewesen war, wurde zu einer Vorstadt, in der sich eine eigene Wohnform, das ''Herbergswesen'' mit Stockwerkseigentum bildete. 1854 wurde der Stadtteil nach München eingemeindet, er hatte lange den Ruf eines übel beleumundeten „Krattler- und Scherbenviertels“, in dem neben ehrbaren [[Handwerker]]n und [[Arbeiter]]n auch allerlei „fragwürdige Existenzen“ des [[Lumpenproletariat]]s hausten. | Relativ früh entstand entlang des Baches Münchens erstes [[Industrie]]gebiet. Im Jahr 1816 gab es alleine in der Au 60 Wasserräder, die den Betrieb einer [[Hammerschmiede]], eines [[Bräuhaus]]es, je zweier Papiermühlen, Schleifmühlen, [[Walke]]n und [[Fabrik]]en, von sechs Getreidemühlen und sieben Sägemühlen ermöglichten. Bis zur Einrichtung einer [[Kanalisation]] wurden Abfälle und Abwässer aller Art und Herkunft in den Mühlbach entsorgt. Durch eine städtische Verordnung wurde geregelt, dass dies nur während der Nacht gestattet war, da die Frauen tagsüber ihre Wäsche im Mühlbach wuschen. Die [[Industrialisierung]] brachte die zunehmende Ansiedlung [[Proletariat|proletarischer]] Bevölkerungsschichten mit sich und die [[Au-Haidhausen|Au]], die kurzfristig sogar eine eigenständige Stadt gewesen war, wurde zu einer Vorstadt, in der sich eine eigene Wohnform, das ''Herbergswesen'' mit Stockwerkseigentum bildete. 1854 wurde der Stadtteil nach München eingemeindet, er hatte lange den Ruf eines übel beleumundeten „Krattler- und Scherbenviertels“, in dem neben ehrbaren [[Handwerker]]n und [[Arbeiter]]n auch allerlei „fragwürdige Existenzen“ des [[Lumpenproletariat]]s hausten. | ||
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