Schwabing

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Schwabing ist ein Stadtteil im Norden Münchens. Er teilt sich heute auf in den Stadtbezirk 4 Schwabing-West und Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann, wobei eher der Bezirk 12 (ohne Freimann) dem entspricht, was als typisch für Schwabing gilt.

Lage

Schwabing selbst wird im Süden durch die Maxvorstadt begrenzt, im Osten durch die Isar, im Westen durch Neuhausen und im Norden durch Milbertshofen. Es geht nordwestlich der Leopoldstraße bis zur Domagkstraße durch Freimann. Auch der nördliche Teil des Englischen Gartens befindet sich quasi auf Schwabinger Gebiet.

Ein erweiterter Schwabing-Begriff ergibt sich dadurch, dass viele Schwabinger Schlüssel-Adressen aus der Zeit der Schwabinger Bohème der Jahrhundertwende (1880–1920) heute de facto im Stadtteil Maxvorstadt liegen. Die Schwabinger Muse Franziska zu ReventlowW sprach einst von einer geistigen Erweiterung Schwabings, die bis weit in die Maxvorstadt hinein reiche.

Geschichte / Mythos Schwabing

Das Dorf Schwabing (die Gründung "Svapinga" eines Svapo) wurde bereits im Jahr 782 n.Chr. urkundlich erwähnt und ist damit erheblich älter als München selbst (Stadtgründung im 12. Jahrhundert). Am 29. Dezember 1886 wurde das Dorf zur Stadt ernannt, aber bereits am 20. November 1890 nach München eingemeindet.

Mit der Schließung der Universität in Landshut, gleichzeitigen Neugründung der Ludwig-Maximilians-Universität 1826 und der Kunstakademie 1885 durch die bayerischen Könige entwickelte sich zuerst München zur Kunststadt (die "Malerfürsten" Franz von Lenbach oder Franz von Stuck sind zu erwähnen) und im Gefolge davon später Schwabing zum Künstlerviertel Münchens. In den Künstlerkneipen verkehrten um die Wende zum 20. Jahrhundert Maler wie Ernst Ludwig Kirchner, Lovis Corinth oder Paul Klee und aus der Malervereinigung des "Blauen Reiter" Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Franz Marc. Auch Literaten sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hier besonders häufig anzutreffen: Schon Gottfried Keller studierte hier (und beschrieb später ein Schwabinger Faschingsfest in seinem Roman "Der grüne Heinrich"), und König Max II. scharte gar eine ganze Dichterschule um sich, die "Krokodiler". Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts lebten und arbeiteten Schriftsteller und Dichter der Moderne wie Heinrich Mann, Thomas Mann, Oskar Panizza, Rudolf Alexander Schröder, Ricarda Huch, Frank Wedekind, Gustav Meyrink, Rainer Maria Rilke, Ludwig Thoma, Josef Ruederer, Max Halbe, Annette Kolb, Stefan George, Karl Wolfskehl, Franz Hessel, Ina Seidel, Christian Morgenstern, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Joachim Ringelnatz, Lena Christ, Claire Goll, Oskar Maria Graf u.v.a. vorübergehend in Schwabing. Kein einziger von ihnen war geborener Schwabinger, nur drei waren Münchner (Morgenstern, Kolb und Feuchtwanger), nur vier weitere Altbayern (Thoma, Ruederer, Christ und Graf), alle andern kamen aus dem "Reich" oder dem Ausland. Schwabing muss also attraktiv gewesen sein. Auch die Revolutionäre der 1919 niedergeschlagenen bayerischen Räterepublik, etwa Erich Mühsam und Edgar Jaffé sowie der später als Romanautor B. Traven bekannt gewordene Ret Marut wohnten in Schwabing; man sagt, sie hätten die ganze Revolution im Café Stefanie ausgeheckt. Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich erstmals in Schwabing literarisch Lenin nannte, tauchte als bürgerlicher Herr Meier hier mit seiner Frau für einige Zeit unter.

Dass auch Adolf Hitler vorübergehend Schwabinger war, gereicht dem Viertel zwar nicht zur Ehre, es ist aber auch nicht untypisch für Schwabing, dass auch ein Möchtegern-Künstler wie Hitler sich von dessen anregender Szene angezogen fühlte; nach der Ermordung Kopfs der Räterepublik Kurt Eisner 1919 erschien er angeblich als Trauergast auf dessen Beerdigung, im Café Stefanie warb er um Verbündete.

Bekannteste Künstlerkneipe in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg war der "Simplicissimus" in der Türkenstraße, heute unter dem Namen Alter Simpl noch am selben Ort. Joachim Ringelnatz war dort der "Hausdichter". Das Café Stefanie in der Amalienstraße war ein anderer wichtiger Treff der Schwabinger Künstlerszene.

Das Schwabinger Satire-Blatt Simplicissimus aus dem Albert-Langen-Verlag mit seinem Signet, der roten Bulldogge, wurde zum Symbol für beißende Kritik an politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbransson, Bruno Paul, Eduard Thöny, Rudolf Wilke waren die berühmtesten dort tätigen Künstler. Die Kulturzeitschrift Jugend verlegt von Georg Hirth, gab der deutschen Variante des Art Nouveau, dem Jugendstil, ihren Namen. Mit diesen beiden seit 1896 existierenden Zeitschriften war das München - bzw. sein Bezirk Schwabing - der Prinzregentenzeit im Zeitalter autoritärer Zensur mit Abstand der liberalste Ort Deutschlands, vor allem im Vergleich mit Berlin - auch wenn Schwabing zahlreiche Strafprozesse hervorbrachte, sei es wegen Gotteslästerung, Majestätsbeleidigung (des deutschen Kaisers) oder Abweichung von der herrschenden Sexualmoral.

Eine der berühmtesten Gestalten Schwabings war die "holsteinische Venus", die Gräfin Franziska zu Reventlow (1871–1918 - ihre Lebensdaten markieren exakt das neu errichtete deutsche Kaiserreich) aus Husum, die 1913 den schönen Schwabing-Roman "Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil" veröffentlichte. Die Schwabinger Bohème-Szene fand jedoch mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs ein abruptes Ende. Vgl. auch Joachim Ringelnatz' Autobiografie "Mein Leben bis zum Kriege".

Ein berühmter Ort blieb der Stadtteil trotzdem - mit zahlreichen Ereignissen; z.B. gab 1929 in der Tonhalle an der Türkenstraße der 13-jährige Yehudi Menuhin in kurzen Hosen sein allererstes Konzert und spielte die bis dahin nie gehörte C-Dur-Solosonate für Violine von Johann Sebastian Bach; Bert Brecht (vgl. auch Brecht in München) verkehrte hier ebenso wie Klaus Mann, Erika Mann, Therese Giehse, Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Nach dem 2. Weltkrieg erschien 1951 der Gedichtband "In der Traumstadt" von Peter Paul Althaus, der Schwabing eine neue poetische Aura verlieh; der inzwischen sehr renommierte Schwabinger Kunstpreis wurde begründet; die "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" im Herzen Altschwabings, mit ihrem bekanntesten Mitglied Dieter Hildebrandt, gehörte zu den berühmtesten Kabaretts der Nachkriegszeit, und auch das literarische Erstlingswerk von Gerhard Polt, das Radio-Hörspiel "Als wenn man ein Dachs wär in seinem Bau" (1977) ist im Schwabinger "Quartier Latin" um die Universität entstanden.

Die nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Nostalgie-Welle, die das alte Schwabing zu verklären und zugleich kommerziell auszubeuten versuchte, machte Schwabing vor allem zum Mode-Viertel, was die Miet- und Gastronomiepreise in die Höhe trieb. In den 1960er Jahren lebte und arbeitete die Münchner Künstlergruppe SPUR hier, und unter der studentischen Jugend kam es zu den so genannten "Schwabinger Krawallen" auf der Leopoldstraße, der Hauptachse Schwabings. Sie waren ein erster Auftakt zur europaweiten Studentenbewegung, die sich gegen verstaubte Polit-Strukturen und wirtschaftswunderliches Geldgeprotze richtete: Ereignisse, die treu dem alten Geist in Schwabing stattfinden mussten.

In den letzten Jahren machen nun andere Stadtteile Münchens (etwa Haidhausen) und im Augenblick vor allem das Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel Schwabing als Mode-Viertel den Rang streitig, auch das Westend entwickelt sich neuerdings in diese Richtung, während Schwabing mehr und mehr zum historischen Forschungsgegenstand wird.

Restaurants, Kneipen, Cafés

Restaurants

Kneipen, Wirtshäuser

Cafés

Biergärten

Events

Mindestens zweimal im Jahr beim Corso Leopold gehört die gesperrte Leopoldstraße wieder ganz allein den Münchner Flaneuren.

Sozialbürgerhaus

Literatur

Weblinks


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