Lagersprache
Auf einer französ. Internetseite begegnet einem dieses Vokabelheft zur Lagersprache in den Konzentrationslagern. Dergleichen zu diesem Thema existiert so umfangreich (und präzise erklärt) bisher nirgends sonst. Deshalb lohnt sich, mit Blick auf das Konzentrationslager Dachau und die vielen Lager mit gefangenen Ausländern in der Stadt, die Analyse und die teilweise Übersetzung der Wortliste. Die Lagersprache, nach Oschlies noch deutlicher „Lagerszpracha“ als eigener Fachausdruck genannt, ist ein Mix unterschiedlicher Sprachbrocken zur Handhabung der Schlüsselwörter im Lageralltag und zur gegenseitigen Verständigung durch Gefangene mit verschiedenen Muttersprachen.
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Direkt nach der Ankunft eines „Transports“ in einem Konzentrationslager wurde den Häftlingen das Haar, sämtlicher Besitz und die Privatkleidung genommen, auch der Name. Sie erhielten eine fortlaufende Nummer, die ihnen in Auschwitz auch eintätowiert wurde. Sonst gab es die Nummer als Flicken auf ihrer Gefangenenkleidung. Damit zählten sie zum "Gefangenenbestand" des Konzentrationslagers und wurden unter dieser Nummer bis zum Tod (oder selten: zur Entlassung) „verwaltet“.
Sie waren im Konzentrationslager nur noch eine Nummer:
- „Wenn man es mit einem SS-Mann zu tun hatte, musste man als erstes die Mütze herunterreißen, und seine Nummer laut und deutlich, natürlich auf deutsch, angeben. Ich beginne zu begreifen, welches Glück im Unglück ich habe, fließend Deutsch zu sprechen. Die meisten griechischen und italienischen Juden verstehen keinen Befehl und können nicht einmal ihre Nummer aussprechen. Natürlich können sie auch keine deutschen Lieder singen, die wir, wie zum Hohn, beim Hin- und Rückmarsch von der Arbeit auch noch zum Besten geben müssen. Das ist ausreichend, um brutal geschlagen, manchmal auch totgeschlagen zu werden.“
[Bearbeiten] Einltg.
Eine Besonderheit ist der Sprachgebrauch der Gefangenen in den Konzentrationslagern neben ihrer jeweiligen Muttersprache unter Gefangenen gleicher Herkunft. Denn in fast jedem KZ gab es als Opfer Angehörige von vielen bis zu 40 verschiedenen Völkern oder Volksgruppen. Auch in Dachau. Jeder Gefangene brachte an diesen Ort seine eigene Muttersprache oder Nationalsprache mit. Mit den Bewachern musste jeder ausschließlich in der offiziellen Lagersprache deutsch sprechen. Auch Briefe durften nur in deutscher Sprache geschrieben werden.
Um überleben zu können, musste ein Häftling wenigstens die allereinfachsten Befehle und Antworten auf deutsch verstehen und sprechen können. Untereinander behalfen sich die Gefangenen mit einem multinationalen Sprachgemisch, das sich zum Teil zu einer deutsch-basierten Kreolsprache entwickelte. Sie bestand aus Schlüsselwörtern und sehr oft aus ergänzenden nonverbalen Zeichen. Um 1985 hat Wolf Oschlies vorgeschlagen, dafür den im KZ bereits zum Teil benutzten Begriff „Lagerszpracha“ generell zu verwenden.
Dieses deutsch-französische KZ-Lexikon ist so zu sagen die Gebrauchsanweisung oder Übersetzung der Schreie seiner Bewacher für den französischen Häftling, der das erste Mal von SS´lern bewacht, kommandiert, schikaniert wird. Denn wer die fremde Sprache nicht sofort verstand, riskierte sein Leben. Er konnte zusammengeschlagen oder gar erschossen werden.
Beachtlich bei dieser Auflistung zentraler Wörter oder Begriffe durch französische ehemalige KZ-Häftlinge ist nicht nur die Klarheit, mit der sie darin die Unterdrückungs- besser Zerstörungsmechanismen der Persönlichkeit der Häftlinge neben scheinbar neutralen Kommandos kennzeichnen sondern auch die Häufigkeit, mit der ganz wenige existenziell wichtige Themen immer wieder in diesem grausemen Alphabet erscheinen: der Hunger/das Essen, die Läuse, die Krankenversorgung.
[Bearbeiten] Lexique — Das dt.-frz. KZ-Lexikon
[Bearbeiten] A - J
- Abort
- Abrücken
- Achtung
- Achtzehn
- Antreten
- Appelplatz
- Arbeitscommando
- Arbeitslager
- Arbeitsstatistik (Das für die Zuteilung der Arbeiten zuständige Büro der SS. Sein Chef ist der « Arbeitsdienstführer »)
- Arschficker (:Homosexueller)
- Arschtonne (Fässer mit Exkrementen)
- Arztmeldung
- Auffangslager
- Auffenthaltslager
- Aufseherin
- Aufstehen
- Augen
- Aussencommando
- Austreten
- B.V. (gesprochen ....): :Abkürzung von « Berufsverbrecher », Krimineller Häftling mit einem grünen Winkel
- Baucommando
- Bauleitung
- Baum
- Baumhangen
- Bettenbau
- Bettruhe
- Bibelforscher
- Blaue
- Block
- Blockältester
- Blockführer
- Blockowa
- Blocksperre
- Blöde
- Blutstrasse
- Bock
- Bombencommando
- Bonza
- Breikost
- Brotzeit
- Bunker
- Caracho
- Carachoweg
- Dreck–,
- Effektenkammer
- Ehrenhäftling
- Entlausung
- Endlösung
- Flucht
- Fluchtpunkt
- Fluchtverdächtig
- Fünf-und-zwanzig
- Gaskammer
- Gestapo
- Grüne
- Gummi
- Häftling (es folgt eine Zahlenkombination auf deutsch = Häftlingsnummer, die den Namen ersetzte)
…
- Haupttor
- Hausel
- Barackendienst
- Himmelfahrtcommando
- Leichenträger
- Hinleggen - Aufstehen
- Hocker
- Holzschuhe
…
- Versuchskaninchen
- Vorarbeiter
- W.B.
- Abkürzung für « Wirtschafts Betriebe »
- W.V.H.A.
- Wachmann
- Walzcommando (vgl. Straßenwalze)
- Strafmethode
- Wäscherei
- Wasserkopf
- Schimpfwort
Variante:
[Bearbeiten] A - J
- Abort
- Toiletten
- Abrücken
- Achtung
- (als Befehl !)
- Achtzehn
- « Dix-huit », c’est-à-dire « attention, danger !» (correspond au « 22 » français). « Grosse achtzehn » - grand danger.
- Antreten
- Appelplatz
- Arbeitscommando
- zur Arbeit eingeteilte Gruppe (innerhalb oder außerhalb des Lagers).
- Arbeitslager
- Arbeitsstatistik
- Das für die Zuteilung der Arbeiten zuständige Büro der SS. Sein Chef ist der « Arbeitsdienstführer ».
- Arschficker
- Homosexueller.
- Arschtonne
- Tonnen mit Exkrementen
- Arztmeldung
- Auffangslager
- Auffenthaltslager
- Aufseherin
- SS-Gefangenenwärterin
- Aufstehen !
- Augen links, rechts, gerade aus
- Aussencommando
- Arbeitsgruppe außerhalb des Lagerbereichs, die am Abend zurückmarschierte
- Austreten
- B.V.
- Abkürzung von « Berufsverbrecher », Krimineller mit einem grünen Winkel
- Baucommando
…
- Haupttor
- Hausel
- Barackendienst
- Himmelfahrtcommando
- Leichenträger
- Hinleggen - Aufstehen
- Hocker
- Holzschuhe
…
- Versuchskaninchen
- Vorarbeiter
- W.B.
- Abkürzung für « Wirtschafts Betriebe »
- W.V.H.A.
- Wachmann
- Walzcommando (vgl. Straßenwalze)
- Strafmethode
- Wäscherei
- Wasserkopf
- Schimpfwort
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Zitate, Quellen
Quelle : Encyclopédie: Le langage des camps de concentration. 2007-2010 B&S Editions (frz. Gefunden: Samstag, 5. November 2011; dort mit der franz. Erklärung der Fremdwörter für Franzosen)
Die Einleitung basiert auf dem Abschnitt Lagerszpracha – eine Sprache der Gefangenen in den KZ
| Dieser Artikel basiert auf dem Artikel KZ#Lagerszpracha_.E2.80.93_eine_Sprache_der_Gefangenen_in_den_KZ aus der Wikipedia. Die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste. Wie im München Wiki stehen alle Texte der Wikipedia unter der GNU Freie Dokumentationslizenz. |
- Wolf Oschlies: Sprache in nationalsozialistischen Konzentrationslager. Theorie und Empirie der „Lagerszpracha“. Auf der Internetseite: shoa.de
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