St. Peter

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Alter Peter

Die Pfarrkirche Sankt Peter, deren Turm im Volksmund Alter Peter genannt wird und zu Münchens Wahrzeichen zählt, ist die älteste erwähnte Pfarrkirche Münchens und liegt vermutlich nahe an der Stelle des Ursprungs von München.

Lage

St. Peter (Petersplatz 1) steht auf dem Petersbergl, der einzigen nennenswerten Erhebung innerhalb der historischen Altstadt Münchens. Unterhalb des Petersbergls in nordwestlicher Richtung liegt der Marienplatz, in südwestlicher Richtung der Rindermarkt, in südöstlicher der Viktualienmarkt. Die Pfarrkirche ist der geistliche Mittelpunkt der südlichen Altstadt mit Angerviertel und Hackenviertel.

Geschichte

Am Petersbergl gab es oberhalb einer Straßenkreuzung schon im 8. Jahrhundert eine Niederlassung von Mönchen (wohl nicht, wie früher angenommen, aus dem Kloster Tegernsee). Unter der Kirche gibt es einen gewölbten Raum, den Fachleute in die vormerowingischer Zeit, also zwischen Spätantike und frühem Mittelalter datieren. Bereits im 11. Jahrhundert hatte sich noch vor der Stadtgründung das ursprünglich wohl aus Holz errichtete Kirchlein nach den Ausgrabungen aus dem Jahr 1958 bereits zu einer romanischenW Kirche entwickelt, die eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei eingebundenen Westtürmen war. Ob diese typische bayerische Klosterkirche der Romanik der Gründungsbau war, ließ sich nicht nachweisen. Nachweisbar ist nur, dass Otto I. von Wittelsbach diese Kirche 1181 erweitern ließ und diese erweiterte Kirche 1190 durch Bischof Otto von Freising geweiht wurde. Knapp 100 Jahre später wurde dieser Bau abgerissen und durch eine prunkvollere Kirche ersetzt. Eine wesentlich größere Kirche war nicht erforderlich, da parallel zum Kirchenneubau die Pfarrei der Frauenkirche errichtet wurde und im Zentrum des Kreuzviertels eine Pfarrkirche errichtet wurde. Der Neubau von St. Peter wurde am 17. Mai 1294 durch Bischof Emicho von Freising eingeweiht.

Am 14. Februar 1327 fiel fast ein Drittel Münchens einer Brandkatastrophe zum Opfer. Der Ostchor von St. Peter brannte bis auf die Außenmauer nieder, das Kirchenschiff selbst konnte gerettet werden, die Türme brannten aus. Wahrscheinlich wurde am Ende des Kirchenschiffes eine Mauer eingezogen, um weiterhin Gottesdienste feiern zu können. 1368 konnte der neue gotische Hochchor durch Bischof Paul von Freising geweiht werden; der Chor erhielt 1378/79 noch zwei gotische Gewölbeeindeckungen. Etwa zur gleichen Zeit um 1386 wurde das Westwerk umgestaltet, wobei man sich bewusst von der gotischen Zwei-Turm-Anlage löste. Die beiden ausgebrannten Türme wurden abgeschrägt und statt ihrer wurde bis 1386 ein einzelner Turm in der Mitte errichtet, der heute mit seiner offenen, rundumlaufenden Aussichtsgalerie ein beliebter Aussichtspunkt ist. Um 1407 wurden die beiden vorgelagerten Treppentürmchen am Westportal angesetzt. Seine neue Turmbekrönung mit offenen Tempietto wahrscheinlich nach Plänen von Heinrich Schön d.Ä. erhielt der "Alte Peter" 1607, nachdem am 24. Juli 1607 ein Blitz die beiden pyramidalen Turmhelme des Westwerkes zerstörte.

Um die Raumnot zu mildern, entschloss man sich noch vor dem Dreißigjährigen Krieg zu einer Erweiterung nach Osten, die wahrscheinlich Isaak Pader d.Ä.W plante. 1630 begann der Abbruch des gotischen Ostchores, um die geräumige Renaissance-Erweiterung zu ermöglichen. Wegen der Kriegswirren konnte der Chor erst 1636 eingewölbt werden.

Im 18. Jahrhundert wurde St. Peter im Rokoko-Stil umgestaltet. Neben dem neuen Hochaltar wurde der Chor durch Ignaz Anton Gunetzrhainer neu eingewölbt, Johann Baptist Zimmermann übernahm die kunstvolle Stuckierung des Chores und die Gestaltung der Fresken an den rundbogigen Blendfenster, die ikonographische Themen aus dem Leben des Apostel Petrus zeigen.

Die Purifikationswelle des 19. Jahrhunderts ging spurlos an St. Peter vorbei, obwohl es drei Restaurierungen gab.

  • "Grüne Renovierung" 1844: Entdeckung des spätgotischenW Schrenck-Altares, einziger erhaltener Sandsteinaltar der Gotik in München;
  • "Gelbe Renovierung" 1882
  • "Graue Renovierung" 1911/12

1944/45 wurde St. Peter weitgehend zerstört. Insbesondere die Volltreffer zweier Sprengbomben beim Fliegerangriff am 25. Februar 1945 beim Corpus-Christi-Altar richteten schlimme Schäden an: Faktisch standen nur noch der ausgebrannte Turmstumpf sowie die Außenmauern des Hochchores. Ein Wiederaufbau schien unmöglich. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die Kirchenruine daher bereits zum Abriss freigegeben, die Sprenglöcher bereits gebohrt. Auf Initiative von damaligen Stadtpfarrer von St. Peter, Prälat Max Zistl, rettete Michael Kardinal Faulhaber die Kirche. Der Wiederaufbau begann 1946, mit der Aufsetzung des Kreuzes auf dem Turmhelm am 8. September 1951 und der Weihe des Hochaltares am 27. Juni 1954 durch Joseph Kardinal Wendel wurde der Wiederaufbau der äußeren Form abgeschlossen. Die Rekonstruktion des Inneren dauerte noch bis zum Jahr 2000, als die letzten Deckenfresken fertig gestellt waren.

Bedeutende Kunstwerke

Grabsteine und Denkmäler im Inneren der Kirche

Blick über St. Peter hinaus
  • Linke Wand, neben dem erstem Seitenaltar; Denkschrift an eine heilige Messe des Papstes Pius VI. Abgehalten am 1. Mai 1782. Unter den Anwesenden war auch der Kurfürst Karl Theodor. Das Denkmal zeigte das Brustbild des Papstes mit Wappen und Insignien in Halbrelief in Holz gefertigt von Johann Prötzner. Ausgemalt, vergoldet von dem Maler Geiger. Auf einer grauen Marmorplatte in goldfarbiger Schrift von dem Steinmetz Michael Schweinberger. Das Andenken mit Inschrift wurde im Jahr 1783 vollendet. Der Text der Schrift wie folgt; PIUS VI. PONTIFEX MAXIMUS / HAC IN ECCLESIA MATRICE AD ARAM / PRINCIPEM APOSTOLORUM PRINCIPE SA- / CRAM / PRAESENTE SERENIS. ELECTORE CARO- / LO THEODORO, / ET REVEREND, EPISCOPO NOSTRO LUDO- / VICO JOSEPHO / SUMMO DEO SACRIFICIUM OBTULIT. / Ima Die May, Anno 1782. ( Aus Münchner Intelligenzblatt 1783, S.178. Und mit Hinweisen in Die Baudenkmäler der Stadt München, 1895, Bezold, Mayer, Stegmann, Schmid und Hager. S.1060)

Aussichtsplattform

Blick aus der Turmstube (um 1930)

Die Aussichtsplattform auf dem "Alten Peter" befindet sich an der Turmwächterstube in 56 m Höhe und ist über 306 Stufen an der Glockenstube vorbei zu erreichen. Fernsicht bei Föhn bis zu 100 km. Die Plattform ist das ganze Jahr über geöffnet. Seit dem Jahr 2012 ist der komplette Turm videoüberwacht. Es gibt Kameras an allen Ecken, es sieht aus wie in einem Hochsicherheitsbereich.

Filialkirchen

Der Pfarrei St. Peter sind folgende Filialkirchen zugeordnet:

Tochterpfarreien

Das Geläut

Glocke Schlagton Gießer, Gussjahr Gewicht in kg
Jubiläumsglocke Carl Czudnochowsky, 1958 7000

Die grosse Jubiläumsglocke wurde zu den 800 Jahr Feierlichkeiten von München im Jahre 1958, am Samstag dem 19. April um 16 Uhr Eingeholt. Grosser Empfang mit Musik am Isartor. Weihe der Glocke an der Stadtpfarrkirche St. Peter am Sonntag den 4. Mai um 18 Uhr durch den Weihbischof, Johannes Neuhäusler. Am grossen Jubiläumstag, Samstag dem 14. Juni um 8:30 Uhr wurde die neue Glocke, die grösste im Alten Peter erstmalig geläutet. Um 8:40 Uhr Geläute aller Münchner Kirchenglocken.

Petrusglocke c' Johann Christoph Taller, 1720 2250
Maximiliansglocke d' C. Czudnochowsky, 1957 1600
Angelusglocke e' C. Czudnochowsky, 1951 900
Maria-Hilf-Glocke f' C. Czudnochowsky, 1958 1100
Elferin g' Johann Kippo, 1665 800
Zwölferin a' 1382 (!) 650
  • Zwölfuhrglocke: An der Glocke ist unterhalb der oberen Verjüngug, zwischen rundum geführten 3mm erhabenen kleinen Gürteln, davon unten drei, und oben drei, ein Spruchband in lateinischer Sprache, und in gotischer Schriftart angebracht.
    Ihr Text lautet: Ich bin die tönende Glocke, die Christi Lob verkündet; an meinem Klang erkennt man die Stunde des Tages. (Quelle: Schulz, St.Peter S.85, Mayer-Westermayer S.250)

Die große Jubiläumsglocke ist die zweittontiefste Glocke Bayerns. Jeden Sonntag um 18 Uhr erklingt sie zum Gedenken an alle Verstorbenen der Stadt.

Kuriosa

  • Die Hochaltarfigur des Petrus besitzt eine abnehmbare Tiara. Unmittelbar nach dem Eintreffen der Todesnachricht eines Papstes wird diese Tiara abgenommen und auf einen Seitenaltar gestellt. Nach der Wahl des neuen Papstes wird dann die Tiara dem Petrus wieder aufgesetzt.
  • Die Verkehrsfunkmelodie des Bayerischen Rundfunks nimmt bis heute die Melodie Solang der Alte Peter auf.
  • Karl Valentin beantwortete die Frage, warum auf jeder Turmseite zwei Zifferblätter angebracht seien, mit den Worten: "Ja mei, damit zwei Leute gleichzeitig auf die Uhr schauen können."
  • Im 91 m hohen Turm schlägt häufig der Blitz ein, zuletzt am 27. Juli 1995 gegen 20.45 Uhr.
  • Das Turmkreuz habe sich durch einen Fußtritt des Teufels um 90° gedreht, meint eine Legende.

(In Wirklichkeit hatte sich das Kreuz durch den ständigen Westwind allmählich verbogen - die Turmspitze neigte sich 45 cm nach Osten - und hätte auf das Kirchenschiff stürzen können. Daher wurde es unter König Ludwig II. bei einer Turmrenovierung erneuert und quer zur Windrichtung aufgestellt. Beim Richtfest am Geburts- und Namenstag von Ludwig II. (25. August 1876) warf Spenglergeselle Lorenz Wach wie üblich das nach dem Trinkspruch geleerte Glas vom Turm, wo es unversehrt landete. Es wird noch heute im Kirchenschatz von Sankt Peter aufbewahrt. (Quelle: Pfarrbrief St. Peter Juli/ August 2004).

In einem Fensterportal steckt auch noch eine österreichische Kanonenkugel, die während der Koalitionskriege vom Gasteig aus auf die Kirche gefeuert wurde.

Siehe auch

Literatur

  • Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. Köln: DuMont 1979, ISBN 3-7701-1094-3 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer)
  • Norbert Knopp: Die Frauenkirche zu München und St. Peter. Stuttgart: Müller & Schindler 1970 (Große Bauten Europas; Bd. 3), ISBN 3-87560-000-2

Weblinks


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